2021 – das bessere 2020…?

by Robert James Perkins

2021 ist nun schon zwei Monate alt und man kann sagen, so viel hat sich zu 2020 nix geändert. Als hauptberuflicher DJ ist man immer noch zum Nichtstun verdammt und vor Weihnachten und Neujahr ist auch der Lockdown wieder verschärft worden. Das böse C ist auch immer noch am Start und mutiert fröhlich vor sich hin, nTV hat schon seit 16.03.2020 nur noch eine Corona Spezial Sendung mit allen Virologen die es glaube ich in Deutschland gibt und das Wiederrum bringt die Politik und die Bevölkerung langsam aber sicher zum durchdrehen.

Wie war denn 2020…?

Kurz und knapp: bescheiden…

Das Jahr fing gut an, ich hab mich auch wieder gut von meiner schweren Erkrankung aus dem Winter 2019 gut erholt und hatte auch einen gut gefüllten Kalender für 2020 vorliegen. Alles nahm seinen Lauf und nach dem unser gesamter Hausstand wieder gesund war ging es auch schon gut los mit den Partys und den Anfrage. Dann kam der 14.03.2020, es war für mich der letzte Gig den ich in der ersten Jahreshälfte gespielt habe und “Tata” schon kam der erste Lockdown.

Von diesem Zeitpunkt an hatte ich auf eine andere Art und Weise viel zu tun. Termine verschieben, Buchungen verlegen, Kollegen dabei helfen wo und wie sie die staatlichen Hilfen beantragen konnten und natürlich habe ich auch im ersten Lockdown meine Homepage neu gestaltet und auch gleich noch eine Seite ins Leben gerufen auf der sich hauptberufliche Musiker und Sänger präsentieren konnten, um ein Zeichen des Zusammenhalt zu zeigen über Genres und Stilrichtungen hinweg.

Ab April ging es dann los mit den Aktionen der einzelnen Branchen und dem ganzen wir brauchen Unterstützung und/oder Perspektiven. Da hat dann jeder begonnen sein eigenes Püppchen zu kochen, seine eigene Aktion zu starten (mal mehr erfolgreich, mal weniger) und auch von wenigen Einzelpersonen wurden die damalige Aktion dazu genutzt sich zu profilieren. Es hat zwar was bewegt aber es war nicht nachhaltig, muss man leider so sagen…

Ein zweites mal wird es das nicht geben…

Da ich mich ja schon etwas zwischen den Stühlen befinde, hier ein kleines Beispiel aus der Hochzeitsbranche.

(auf die anderen Branchen in denen ich mich auch noch bewege als DJ im Anschluss)

Die Hochzeitsbranche hat ab April 2020 immer mal wieder und auch bundesweit dafür demonstriert, das man doch in Pandemie Zeiten auch heiraten darf und kann (soll). Okay, ich spiele auch auf vielen Hochzeiten und daher fand ich am Anfang die Aktionen gut aber schon damals hatte ich wenig Hoffnung das dadurch die Ausfallquote wieder zurück geht, denn was viele Ignoriert haben ist die Tatsache, das auch der Kunde sprich die Brautpaare feiern und heiraten wollen. Aber durch die mediale Berichterstattung wurden hier Ängste geschürt und jeder der den schönsten Tag seines Lebens unbeschwert feiern wollte hat seinen Termin verschoben.

Es wurden Hygienekonzepte erstellt wie wild, von der Gastro, von den Hochzeitsplanern und selbst von Brautpaaren selbst und dennoch waren im Sommer nach den Urlaubsrückkehrern, die privaten Feiern, egal ob Geburtstag oder Hochzeit die Hotspot Garanten für steigende Corona Infektionszahlen. Tja und deshalb beschränkte sich die Zahl meiner DJ Gigs im Jahre 2020 auf 18 Veranstaltungen. Ohne Corona wären es über 60ig gewesen, die zum Zeitpunkt des ersten Lockdowns schon gebucht waren.

Die Angst und die Bedenken in Pandemie Zeiten dennoch zu feiern saß und sitzt immer noch tief beim Kunden und da kann man soviel man will auf die Straße gehen, in diesem Bereich entscheidet einfach der Kunde. Wenn man sich dann auch noch in 2020 die Anzahl der Corona Ausbrüche bei privaten Veranstaltungen ansieht, dann ist diese Vorsicht mehr als berechtigt. Ich bin mir sicher, das es diese Möglichkeit zu feiern in 2021 nicht geben wird wie in 2020 und wenn doch dann nur unter sehr verschärften Auflagen, wenn bis April die Zahlen der Neuansteckungen nicht rapide nach unten gehen werden.

Haben es andere Branchen besser gemacht..?

Hier auch wieder kurz und knapp: NEIN…

Die Eventbranche hat zwar bundesweit einige große Aktionen gestartet (Alarmstufe Rot) und auch Feldversuche unternommen und Forschung betrieben (Tim Benzko Konzert), um zum einen auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen und aber auch einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zu leisten wie es mit Theater, Konzerten, Oper und Kunst und Kultur auch in Pandemie Zeiten weitergehen kann. Nun in 2021 trotzdem weiterhin im Lockdown und ohne Perspektive wann es wieder weiter gehen wird und kann…

Die Gastronomie hatte ein ständiges Stopp and Go, viele Auflagen wenn geöffnet wurde und trotz eines schönen Sommers wo die Biergärten immer gut gefüllt waren trotz Corona und der “Urlaub dahoam” auch noch den ein oder anderen neuen Gast bescherte, sieht es trotz “Lieferheld” für viele nicht gut aus. Auch hier in 2021 wenig Perspektive und hier werden bestimmt einige auf der Strecke bleibe und nicht wieder aus dem Lockdown kommen…

Clubs und Diskotheken sind ein ganz spezieller Fall, denn hier wird ab Mitte März alles geschlossen und auch nicht bei den Lockerungen der Beschränkungen berücksichtigt. Es gab zwar viele illegale Partys in verschiedenen Regionen der Bundesrepublik, aber die führten dann auch wieder zum Anstieg der Corona Fälle.

Hier wird denke ich das “sterben” und die Veränderung am größten sein, denn hier wird auch die Situation ausgenutzt um Clubs zum Beispiel aus den Innenstädten raus zukriegen und das meist über die Mieten für die Locations. Dies wiederum wird die Lebensqualität in Großstädten mindern und Subkulturen werden hier systematisch an den Abgrund geführt.

Nun zu den DJs oder der DJ Branche wenn man diese überhaupt so nennen darf, denn von diesen war, wie ich finde am allerwenigsten zu hören. Dies mag vielleicht daran liegen, das die Club DJs mit den Hochzeits- und Event-DJs nicht können und als hauptberuflicher DJ musste man sich schon mal von Club DJs sagen lassen müssen, das man sich doch gefälligst einen “normalen” Job suchen soll. (via Facebook)

In nicht Pandemie Zeiten ist ja jeder der zwei Daumen hat und eine Spotify oder  Playliste auf einem USB Stick hat ein DJ, da wird dann gerne auf dicke Hose gemacht, aber in Pandemie Zeiten ist Loyalität, Kollegialität und Zusammenhalt in dieser “Branche” nicht oder nur sehr homöopathisch existent. Sollten alle mal öfter ein Snickers essen damit Sie keine Diven mehr sind, vielleicht klappt es ja dann mit den DJ Kollegen, denn was uns verbindet ist die Musik…

Biggest Bullshit 2020 – Streamen

Das man sich Dinge überlegen muss wie es weitergehen kann verstehe ich ja, aber ein DJ Set live Streamen ist wie Autofahren in einem schlechten Simulator, Pornos anzuschauen ohne zu masturbieren oder kochen ohne Gewürze. Ich hab mir ja in 2020 ein paar dieser live Streams angesehen, von DJ Kollegen und aber auch von DJ Größen und beides war einfach ernüchternd.

Bei den DJ Größen reißt es ja noch das Visuelle drum herum heraus, was teilweise wirklich toll gemacht wurde (Tomorrowland Silvester Stream) und die Tatsache das hier Songs und Tracks gespielt werden die neu und unbekannt sind. Dies ist wie ich finde eine schöne Möglichkeit neue Tracks zu hören, das war’s dann aber auch schon wieder und durch diverse Release Radar Seiten im Netz und Newsletter hätte ich die Songs auch so gehört ohne den Stream…

Was aber für mich gar nicht mehr geht sind die Streams der, ich nenne Sie jetzt einfach mal “normalo DJs” die auf diesen Zug aufsprangen und immer noch drauf springen. Da laufen dann Songs in den Playlisten die ich schon längst aussortiert habe (sehr geil auch Motto Partys wie z.b. die 90s – almecht als wenn man die Spice Girls nicht schon bis zum erbrechen gehört hätte) und das ganze dann auch noch vor einer schlechten Green Screen Version oder in einem IKEA Katalog Ausstellungsraum Nachbau.

Alle Streams die ich mir im letzten Jahr angesehen habe erreichten im Spitzenwert gerade mal max. 65 Zuschauer gleichzeitig – supi – und da wurde dann schon mal in Pandemie Zeiten lustig durch die Gegend gefahren oder geflogen um dann seinen Live Stream in einer tollen Umgebung zu machen, wenn es denn eine stabile Internetverbindung gab. Mal ganz ehrlich, warum soll ich mir einen Live Stream ansehen in dem Songs gespielt werden die auch in meinen Playlisten sind, die dann mit pseudo groovigen Dance Moves “unterhampelt” werden…? Ein Highlight meines Streaming Abgrundes “das Musiktitel raten Trinkspiel” im live Stream. Soviel kannst gar nicht saufen wie man hier kotzen möchte…

Darum habe ich in 2020 auch nix gestreamt, denn ich würde nur Streamen, wenn ich Visual mit Video oder Grafiken an das Streaming der DJ Größen heran kommen würde incl. eines Mehrwert für den Zuseher (was auch immer der sein mag) den ich bei keinem DJ live Streaming Angebot erkennen konnte. Die eigene Butze ist halt nun mal nicht der Boiler Room oder das Café del mar auf Ibiza und manche Inneneinrichtung hätte ich lieber nie gesehen…

Ich habe meine freie DJ Zeit besser genutzt, zum einen habe ich endlich wieder Musik produziert und Veröffentlicht , ein eigenes kleines rein auf elektronische Musik ausgerichtete Musiklabel eröffnet und zum anderen habe ich gefühlt den Schlaf nach geholt den ich die Jahre zuvor wegen geiler Partys und Veranstaltungen nicht hatte. 2020 kommen dann auch sehr unerwartet zwei Awards ins Haus geflattert über die ich mich sehr gefreut habe und ich habe, wie Ihr sicherlich schon mitbekommen habt relativ wenig gepostet. Sei es auf meinem Blog oder auf Instagram, denn ich finde wenn man nix wichtiges zu sagen hat in Pandemie Zeiten kann man auch mal die #haltdiefresse Challenge mit machen…

Wie geht es denn dem Sozialen Umfeld so…?

Etwas gutes kann man dem Virus schon abgewinnen und zwar die Tatsache, das dieses Virus die Vollpfosten in der eigenen Freundesliste sehr schnell sichtbar macht. Auch innerhalb der Familie gibt es immer mal wieder Diskussionen die alles beinhalten was man so das letzte Jahr alles gehört, gelesen und gesehen hat. Wenn dann hier auch mal Fake News verbreitet oder weitergetragen werden muss man diese halt auch versuchen sachlich und mit Fakten zu entkräften, aber je länger die Pandemie dauert desto anstrengender wird es.

Soziale Medien sind in der Pandemie hier so etwas wie ein Durchlauferhitzer und was ich sehr schade finde ist, daß der Ton immer schärfer und rauher wird wenn man nicht die selbe Meinung hat, wie das Gegenüber oder es nicht dem Tenor des Postes entspricht. Hier wird dann schon mal sehr gerne in die unterste verbale Schublade gegriffen um den Gegenüber Mundtot zu machen. Die Netiquette ist in diesen Zeit leider nicht existent und die Meldestellen der Sozialen Medien müssen in diesen Zeiten bestimmt heiß laufen.

Im real Life habe ich immer wieder das Gefühl, das manche das Thema Pandemie nicht wirklich ernst nehmen. Was man ja auch daran sieht, das sobald es schönes Wetter gibt sich die Menschenmassen trotz Lockdown in Grüppchen im freien Treffen. Damit es auch die letzte Bratpfanne begreift, es geht nicht darum das man nicht in die Natur kann (und ich weiß von was ich spreche, ohne Balkon in 38qm) sondern es geht darum die Kontakte zu reduzieren und das bedeutet auch, wenn man spazieren geht (oder Schlitten fahren) um Bekannte einen Bogen zu machen oder den Mindestabstand einzuhalten. Ich weiß es ist nicht einfach aber sehr wohl machbar und nun den “Schwurbler Shitstorm” in drei zwo eins…los…

Da kann ich auch absolut die Landkreise verstehen, welche auf die Barrikaden gegangen sind weil bei schönem Wetter überall eine Horde Autos mit Münchner Kennzeichen einfällt. Obwohl in den Landkreisen die Inzidenzzahlen gestiegen sind und man sich in den verschiedenen Stadien des Lockdowns eigentlich ja nur in einem gewissen Rahmen/Entfernung bewegen durfte. Da meine ich nun nicht die unnötigen Reisen, sondern die Tagesausflügler welche eher mal eine Nachschulung zum Thema “richtig parken im Nachbarort” besuchen sollten als in der Weltgeschichte herumzufahren.

Im Jahr 2020 hätte man sich leicht vor lauter Kopf schütteln, über diverse hirnlose Aktionen ein Schleudertrauma holen können. Ich hätte vor ein paar Jahren noch nicht gedacht, das die Egomanie und das “me, myself & I first” so tief in einer zivilisierten Gesellschaft verwurzelt ist. Aber Corona hat viele Oberflächlichkeiten von den Menschen genommen die sich in normal Zeiten als eher “the better Human” und “allways politisch korrekt” präsentiert haben um in Pandemie Zeiten sich dann doch nur als rücksichtslose Egomanen zu entpuppen, wo man sich selbst am nächsten ist…

Zwei der treffendsten Sätze, die es sehr schön zusammenfassen, waren für mich in 2020:

“Eine Meinung ist wie ein Arschloch – jeder hat eine” – *James Blunt bei TopGear 

“Eine Pandemie bekämpft man nur als Menschheit”*Author unbekannt

Was ich in 2020 vermisst habe…

Feiernde, glückliche und entspannte Menschen. Das durch die Republik tingeln von Event zu Event. Alkohol. Unbeschwertheit und einen USB Stick… (keine Ahnung wo ich den gelassen habe)

Was ich in 2020 nicht vermisst habe…

Die Schlager Musik hörende Fraktion die einem immer von Ihrer Mucke überzeugen wollen. Die wenigen Menschen die den Wert meiner Arbeit weder erkennen noch schätzen. Polizeikontrollen wenn man Nachts um vier, fünf, sechs vom DJ Gig nach Haus fährt. Location Inhaber die mir in meine Arbeit rein quatschen. Alkohol. Spice Girls und Backstreet Boys Songs.

Was ich in 2021 nicht mehr sehen möchte…

DJ Live Streams. Reisende Influencer oder DJ Kollegen (ist in Pandemie Zeiten einfach nur dumm). Menschen die Corona leugnen. Schlechten Alkohol. Egomanen mit selbstdarstellerischer Profilneurose. Steigende Corona Zahlen. Verschwörungstheorien auf Facebook. Einen weitern (den vierten) harten Lockdown.

Wird 2021 das bessere 2020…?

Man wird sehen wie es sich mit der Pandemie entwickelt, ich selbst stehe dem ganzen mit gemischten Gefühlen entgegen. Was ich aber glaube ist, das wir in 2021 nicht wieder nahtlos an 2019 oder die ersten Monate von 2020 anknüpfen werden. Sicherlich wird es hier und da Möglichkeiten geben Veranstaltungen durch zu führen, egal welcher Art aber es wird weiterhin nur auf Sparflamme stattfinden und wenn Deutschland in der aktuellen Geschwindigkeit weiter impft dann haben wir bestimmt noch den ein oder anderen Lockdown light in welcher Form auch immer vor uns bis 2024…

Ich für meinen Teil werde weiter Musik machen und Veröffentlichen, mich an die Pandemie Bestimmungen und Regeln halten und hoffentlich den ein oder anderen DJ Gig spielen ohne das ich zweimal die Woche zum Corona Test muss. (bin ja kein Fußballer vom FC Bayern München)

Die Pandemie können wir nur gemeinsam bekämpfen und deshalb, haltet Euch an die Regeln (vor allem lasst das Reisen wenn Ihr ungeimpft seit), lasst Euch, wenn dann mal möglich Impfen und bleibt positive und freundlich auch zu Euren Mitmenschen und dann wird das schon wieder…