Auch mal blau machen

by Robert James Perkins

 

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Durch die COVID Pandemie wurde man ja unsanft aus dem vorherrschenden Trott geholt und quasi zur Vollbremsung gezwungen, zumindest in meinem Fall als hauptberuflicher DJ, Musiker und Künstler. Durch diese Zwangspause beginnt man natürlich auch vieles zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen, ob der ganze Stress es, wenn es wieder los geht, überhaupt noch Sinn macht. Jahrelang hab ich als Selbstständiger Gas gegeben und mich dadurch auch ein Stück selbst unter Druck gesetzt, frei nach dem Motto “schneller, höher, weiter”.

Aber durch COVID musste ich lernen und auch feststellen, das es auch etwas gemächlicher sein kann und darf, denn man hat nur ein Leben und man möchte ja auch noch was von selbigen haben. Man lebt nicht um zu arbeiten, sondern man arbeitet um zu Leben und auch wenn mir dieser Satz schon vor COVID geläufig war, brauchte es eben erst diese Vollbremsung um dies auch zu verstehen und umzusetzen.

So schraube ich für mich persönlich an den kleinen Stellschrauben meines beruflichen Lebens und tata es geht auch so ganz gut und wird immer besser. Durch die Freiheit meine Arbeit und alles drumherum selbst gestalten zu können, kann ich mir auch den Luxus erlauben mal unter der Woche oder an jedem x beliebigen Tag, je nachdem wieviele Gigs ich davor hatte, auch einmal unter der Woche mir frei zu nehmen und blau zu machen…

Interessanter weise beobachte ich diese Entwicklung auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel an den Endzeiten bei Veranstaltungen. Durch den akuten Personalmangel in der Gastronomie setzen viele Locations und Gastronomiebetriebe bei Veranstaltungen oder Events nun klar Endzeiten. Dies hat mehrer positive Effekte, zum einen wird alles planbarer, das ehe schon schwer zu kriegende Personal wird nicht verheizt bei Doppelschichten und durch das klare Ende sind auch die Kunden zufriedener. Denn dadurch werden auch die alkoholbedingten Totalausfälle bei denen diverse Gäste Ihre Kinderstube vergessen reduziert und sich deshalb nicht am nächsten Tag beim Chef oder der eigenen Frau entschuldigen müssen.

Für mich als DJ ist das auf alle Fälle positiv, es wird zwar dadurch die Partyzeit komprimiert, aber da muss man halt die Kracher in ein 4 Stunden Set packen und abliefern und nicht es auf sieben oder acht Stunden strecken und versuchen mit total besoffenen die Party am Leben zu halten wie einen COVID Patienten am Beatmungsgerät. Jeder der sich in diesen Zeiten noch “Atemlos” wünscht sollte mal eine 24 Stundenschicht auf einer COVID Intensiv Station mit machen, damit auch der letzte H.F. Fanboy oder Fangirl mal eine andere Definition von “Atemlos” mit bekommt, wie es ist, wie es sich anhört wenn einem der Atem ausgeht und man keine Luft mehr bekommt. Da ist dann nix mehr mit “wir ziehen durch die Straßen” und so…

Aber ich schweife ab, denn ich denke das die Zeiten, bei denen auf privat Veranstaltungen und bei Firmenevents bis zur besinnungslosen Druckbetankung aller Gäste ohne definierte Endzeit gefeiert wurde, sich langsam dem Ende zuneigen, denn neue Gäste sind leichter zu bekommen als gutes Personal. Ich befürworte diese Entwicklung, denn wenn ich so in meine DJ  Vergangenheit schaue (die Club Gigs hier explizit ausgenommen) sind Veranstaltungen bei denen ich 20 Stunden und mehr unterwegs und auf den Beinen war, weder zeitgemäß noch sozialverträglich.

Klar für den Kunden ist es einmalig, aber nicht für uns, diejenigen die so ein Fest, eine Feier, eine Hochzeit oder Veranstaltung erst möglich machen. Das ist unser Business und wir haben es nicht nur einmal im Monat, nein zu hoch Zeiten sogar 4-6 mal die Woche und auch wenn das Geld stimmt (zumindest als selbstständiger DJ, als Bedienung oder Koch in der Gastro eher nicht) ist dennoch ein fixes harmonisches Ende viel besser als wenn es dann im Suff eskaliert und man die tolle Stimmung durch unnötige Diskussionen und unbedachte Wortwahl wieder auslöscht…

Für das offene Ende sind dann die Clubs und Diskotheken da (denn dort arbeiten, zumindest die DJs im Schichtdienst) und jeder der noch gerade stehen kann kommt dann auch noch in einen rein und kann dort noch bis ultimo weiter feiern und nur mal so als kleiner Denkanstoß an alle selbsternannten “open End” Feierbiester: beim Oktoberfest gibt es auch kein Open End, da ist am 23 Uhr im Zelt Schicht im Schacht und (fast) jeder findet die Wiesn geil und erinnert sich gerne daran und das wahrscheinlich aus dem Grund weil es ein definiertes Ende gibt und man sich somit auch viel mehr auf das nächste Fest freuen kann.

Das gibt einer Veranstaltung, einer Feier, einem Fest wieder mehr Wertigkeit und das Besondere zurück was eigentlich ja die Grundmotivation sein sollte um zu feiern und nicht nur weil man es kann, weil man es halt so macht und es Alkohol gibt.

Man könnte es auch Nachhaltig nennen, so zu feiern…